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Palästina vor Christus

Der um 1200 v. Chr. konstituierte Zwölferstämmeverband , der durch die gemeinsame Herkunft und das gemeinsame Gottesrecht zusammengehalten wird und dessen Wahrer und Ausleger der „Richter“ ist, wandelt sich unter dem Druck der Philister und Ammoniter in ein Königtum. Dieser Übergang wird von dem Volk gewünscht und Saul wird vom Zwölferstämmebund zum ersten König proklamiert. Der Nachfolger Sauls, David vertreibt die Philister endgültig, erobert Jerusalem, macht es zur Hauptstadt und gründet das erste Reich Israel. Jerusalem ist die politische und sakrale Hauptstadt, der Ort an dem sich die Bundeslade befindet. Nachfolger Davids wird dessen Sohn Salomo, der versucht sein Reich mit diplomatischen Mitteln zusammenzuhalten. Salomo ist als Friedensfürst, als Baumeister und als geschickter Bündnispolitiker in die biblische Chronik eingegangen. Unter seiner Herrschaft wird in Jerusalem ein Palast, sowie der Jahvetempel, auf den sich die israelische Religion konzentriert, gebaut. Salomos Sohn und Nachfolger Rehabeam gelingt es nicht das Reich zusammenzuhalten, das Nordreich spaltet sich ab und erhebt Jerobeam zum König. Das Südreich (Juda) besteht aus den Angehörigen der Stämme Juda und Benjamin, die sich durch religiöse Strenge auszeichnen und Jerusalem zur Hauptstadt machen. Die anderen zehn Stämme schlossen sich zum Nordreich (Israel) zusammen, besiedelten überwiegend Galiläa und machen Samaria zur Hauptstadt.

Im Jahre 722 v. Chr. erobert Sargon II. von Assyrien nach fast dreijähriger Belagerung Samaria, das Nordreich Israel wird assyrische Provinz und viele Israeliten werden nach Medien und Mesopotamien umgesiedelt. Durch eine assyrische Expedition 701 v. Chr. wird auch das Südreich Juda unterworfen und Juda gelangt in eine völlige Abhängigkeit von Assyrien. Der babylonische König Nebukadnezar erobert 587 v. Chr. Jerusalem und zerstört den Tempel Salomos. Große Teile der Jerusalemer Stadtbevölkerung werden in die babylonische Gefangenschaft geführt und Juda wird babylonische Provinz.

Nach Unterwerfung des neubabylonischen Reiches 539 v. Chr. durch den Perser Kyros II. wird Palästina eine persische Provinz. Kyros ordnet den Wiederaufbau des Tempels an, der 515 v. Chr. fertiggestellt wird. Die Deportierten dürfen zurückkehren und Jerusalem wird kultisches Zentrum aller, die sich zum alten Zwölfstämmeverband Israel zugehörig fühlen. Nach dem Zusammenbruch des persischen Reiches (332 v. Chr.) gerät Palästina unter die Herrschaft Alexanders des Großen. Nach dem Anschluss an das Alexanderreich trennen sich die Samariter vom Judentum („Samaritisches Schisma“) und errichten ein eigenes Heiligtum auf dem Berg Garizim. Der plötzliche Tod Alexanders führte zu einer unruhigen Situation und die Feldherren Alexander des Großen (Diadochen) teilen in Kämpfen bis 280 v. Chr. sein Weltreich unter sich auf. Es bilden sich die griechischen Monarchien Ägypten, Syrien, Makedonien und mehrere kleine Staaten in Kleinasien und Griechenland. Palästina wird von Ptolemaios I. besetzt (um 320). In den Kämpfen des Seleukiden Antiochos II. (223 bis 187) gegen die Ptolemäer ergreift Jerusalem Partei für die Angreifer und erreicht Zugeständnisse nach der Eroberung (um 200). König Antiochos IV. plündert 169 v. Chr. das Jerusalemer Heiligtum und führt später den Kult des Zeus Olympios in Jerusalem ein. In der neuen, hellenistisch verwalteten und befestigten Stadtanlage , der Akra, dürfen keine gesetzestreuen Jerusalemer wohnen. Dies führt zu einem erbitterten Glaubenskrieg gegen Antiochos und das hellenisierte Bürgertum, wobei die Hasmönäer Mattathias und seine Söhne Judas Makkabäus, Jonathan und Simon die Führung übernehmen. Das Ziel der Kämpfe ist die religiöse und später auch politische Freiheit. Palästina wird 161 v. Chr. ein unabhängiger Staat unter Leitung der Priester. Simon vertreibt die syrische Besatzung 141 v. Chr. aus Jerusalem.

64 v. Chr. erobern Römerunter Pompeius Damaskus und es werden drei römische Provinzen (Bithynien-Pontos am Schwarzen Meer, Cilicia in Südostkleinasien und Syria im Küstenland vor Damaskus) gegründet. Im Jahre 37 vor Christus erobern die Römer Jerusalem, Herodes wird König der Juden und erwirbt mit diplomatischem Geschick ganz Palästina. Mit römischer Duldung rottet er die Hasmönäer aus und baut Samaria zu Ehren des römischen Kaisers neu auf. Er errichtet einen Augustustempel und erneuert den Jerusalemer Tempelbezirk, ist jedoch als Nichtjude beim Volk unbeliebt. Nach dem Tod Herodes (4 v. Chr.) wird das Land unter seinen Söhnen Archelaos und Herodes Antipas aufgeteilt. Galiläa und Peräa geht an Herodes Antipas, dessen Gattin Johannes den Täufer ermorden läßt. Mit der Ausbreitung des römischen Kaiserkultes in den Provinzen (um 40 n. Chr.) wird eine kaiserliche Kultstätte in Jerusalem errichtet.

Die Bewegung der Zeloten zum Sturz der römischen Herrschaft gewinnt an Macht und es kommt zu ersten Konflikten. Protestaktionen gegen römische Übergriffe weiten sich zu einem Aufstand aus. Jerusalem fällt in die Hand der Aufständischen. 70 n. Chr. Erobert Titus Jerusalem, das restlos zerstört wird; die überlebenden Einwohner fliehen. Mit der Zerstörung des Tempels ist den Juden der politische und religiöse Mittelpunkt genommen. 73 nach Christus „fällt“ die als uneinnehmbar bezeichnete Festung Massada nach dreijähriger Belagerung durch die Römer durch einen kollektiven Opfertod der Festungsbewohner. Beschneidungsverbot der römischen Besatzer im Jahre 130 löst Aufstand Palästina aus. Im Jahr 132 bricht der römisch jüdische Krieg . Erste Erfolge der Juden unter Bar Kochba im Süden führen zur Proklamation der Befreiung Israels. Der jüdische Aufstand wird jedoch im Jahre 135 von römischen Truppen unterdrückt. Jerusalem wird eine römische Militärkolonie und für Juden verboten. Damit beginnt die Zeit der Zerstreuung der Juden, die Diaspora.