Palästina im 20 Jahrhundert
Die zionistischen Einwanderer mit ihrer Sehnsucht nach Errichtung einer jüdischen
nationalen Heimstatt trafen auf eine bereits in Palästina lebende arabische
Bevölkerung, deren Natio-nalgefühl, parallel zu jenem der Juden, ebenfalls
erwachte. Dies war historisch bedingt. Von 1517 bis 1917 war der Landstrich
Palästina Teil des Osmanischen Reiches. Unter dem perma-nenten Druck der
türkischen Besatzung erlangte der arabische Nationalismus während
des Ersten Weltkrieges seine Breitenwirkung. So beteiligten sich die arabischen
Hedschas-Stämme 1916 unter Führung des legendären britischen
Oberst Thomas E. Lawrence am Kampf der Briten gegen die türkische Herrschaft.
1915 hatte der britische Hochkommissar in Ägypten McMahon dem Großscherif
Hussein Ibn Ali von Mekka brieflich zugesichert, nach Kriegsende und der Niederlage
der Türken ein unabhängiges Großarabisches Reich mit Palästina
unter Führung Husseins zu errichten.
Doch die arabischen Hoffnungen auf Unabhängigkeit und politische Selbstbestimmung
wur-den nach dem Zusammenbruch des Türkischen Reiches durch die Politik
der Großmächte England und Frankreich jäh zerstört. Beide
Mächte errichteten zwischen den Weltkriegen im Nahen Osten eine neue Fremdherrschaft
und unterdrückten die Freiheitsbestrebungen der arabischen Völker.
Grundlage dieser Politik war das bereits 1916 zwischen Großbritannien
und Frankreich abgeschlossene und nach den beiden Unterhändlern benannte
geheime Sykes-Picot-Abkommen, in dem die beiden Mächte die Region nach
Interessensphären unter sich aufgeteilt hatten. Parallel zu dieser Entwicklung
erhielt auch der jüdische Nationalismus Auf-wind. Denn am 2.November 1917
hatte die britische Regierung in der sogenannten Balfour-Deklaration, benannt
nach ihrem Außenminister Arthur James Balfour, auch denVertretern des
zionistischen Judentums dieErrichtung einer jüdischen "nationalen
Heimstätte" in Palästina versprochen.
Aus dieser schwankenden und doppelzüngigen Politik, vor allem der britischen
Regierung, resultiert in erheblichem Maße die heutige israelisch-arabisch-palästinensische
Problematik. (siehe Balfour Erklärung und britisches Weißbuch). Denn
beiden Seiten wurden Versprechun-gen gemacht, die nicht oder nur zu einem Teil
erfüllt wurden. So gesehen tragen beide Par-teien bis heute an den Folgen
der kolonial-imperialistischen Epoche des 19. und frühen 20. Jahrhunderts.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Palästina unter britisches Völkerbundmandat
gestellt, und im Sinne des Sykes-Picot-Abkommens wurden Libanon und Syrien französisches
Mandatsge-biet. Großbritanniens ursprüngliches Mandatsgebiet in Palästina
umfaßte auch Transjorda-nien. Am 3.Januar 1919 kamen der Vertreter der
zionistischen Führung Chaim Weizmann und Emir Feisal, Sohn des Scherifs
Hussein und arabischer Hauptdelegierter bei der Pariser Frie-denskonferenz,
zu einer Übereinkunft, in der die Balfour-Erklärung bekräftigt
und die Schaffung einer "jüdischen Heimstätte" in Palästina
von Emir Feisal anerkannt wurde. Der geplante arabi-sche Staat würde mit
dem zukünftigen jüdischen Staat zwecks Entwicklung des Nahen Ostens
zusammenarbeiten. Vorbedingung war allerdings, daß Großbritannien
und Frankreich ihr Ver-sprechen gegenüber den Arabern einhielten.
Nachdem Emir Abdullah, älterer Bruder Emir Feisals und Großvater
des heutigen jordanischen Königs Hussein, den östlichen Teil des Mandatsgebiets
Palästina - Transjordanien - 1921 mit seinen Beduinenkämpfern besetzt
hatte, wurde er als Herrscher dieses Teils Palästinas vom damaligen britischen
Kolonialminister Winston Churchill anerkannt. 1922 teilte Churchill das Mandatsgebiet
und errichtete ein autonomes Emirat in Transjordanien. Zwischen 1920 und 1948
wurde das Gebiet Palästinas von Großbritannien verwaltet.
Die Araber sahen sich in ihren nationalen Hoffnungen enttäuscht und unternahmen
schon in den Jahren 1920/21 erste Überfälle auf jüdische Siedlungen.
In den folgenden Jahren traten die Spannungen zwischen Juden und Arabern in
wellenförmigen Bewegungen mit unter-schiedlicher Intensität immer
wieder zutage; zumal im Sinne der Balfour-Erklärung nach dem Ersten Weltkrieg
eine verstärkte jüdische Einwanderung nach Palästina eingesetzt
hatte. Bei-de Konfliktparteien beanspruchten das Land: Für die einen war
es das arabische Land Paläs-tina, für die anderen Eretz Israel, das
Land Israel.
Die Zusammenstöße in den 20er und 30er Jahren gipfelten 1929 in
einem Massaker der arabi-schen Bevölkerung an den Juden von Hebron und
von 1936 bis 1939 im Großen Arabischen Aufstand, den der Großmufti
von Jerusalem, al-Husseini, gleichermaßen gegen die Juden wie die Mandatsmacht
Großbritannien inszenierte. Britische Truppen und zum Teil jüdische
Vertei-digungseinheiten schlugen den Aufstand nieder. Im Bericht einer britischen
Regierungskom-mission wurde 1937 erstmals der Gedanke einer Teilung des Landes
in einen jüdischen und einen arabischen Teil geäußert. Die arabische
Seite lehnte jedoch diese Vorstellung katego-risch ab. Am Vorabend des Zweiten
Weltkriegs (1939) änderte Großbritannien aus strategisch-taktischen
Gründen seine bis dahin eher pro-jüdische Politik zugunsten einer
deutlich pro-arabischen Orientierung. Nachdem unter arabischem Druck schon vorher
die Zahl jüdischer Einwanderer gesenkt worden war, begrenzte die britische
Regierung in einem "Weißbuch" 1939 die jüdische Einwanderung
nach Palästina auf 5000 Menschen innerhalb der nächsten fünf
Jahre. Nach diesen fünf Jahren sollte keine jüdische Einwanderung
ohne Zustimmung der Araber erfolgen. Aufgabe der britischen Soldaten in Palästina
war es Schiffe mit Einwanderern aufzuhalten und die Juden zurückzuschicken
oder sie in Lagern auf Zypern unterzubringen.
Zwischen 1940 und 1948 gelang es jüdischen Untergrundorganisationen (Haganah,
Ezel ) fast 100000 Einwanderer nach Palästina einzuschleusen. Die wachsende
Zahl von Neusiedlern, die immer mehr Grundbesitz kauften, gerieten in diesen
Jahren in immer härtere Auseinanderset-zungen mit den eingesessenen Arabern,
die um ihre Rechte und Vorrechte bangten.
Erst 1942 wurden sich die Juden in Palästina des Ausmaßes der Judenverfolgungen
und der beginnenden Massenvernichtung bewußt. Bei einer Konferenz amerikanischer
Zionisten in New York 1942 forderte Ben Gurion, der Vorsitzende der "Jewish
Agency for Palestine", daher die Errichtung eines jüdischen Staatswesens
in Palästina, sobald der Zweite Weltkrieg beendet sei.
Das Schiff Exodus 1947 wurde ein Symbol für Aliya Bet - die illegale Immigration.
Nach dem 2. Weltkrieg wuchs die illegale Immigration und die britische Mandatsmacht
entschied sie zu stoppen indem die Schiffe der illegalen Einwanderer zurück
zu ihren Abfahrtshäfen schickte. Das erste Schiff auf das diese Politik
angewendet werden sollte war die Exodus. Das Schiff fuhr von dem Hafen Site,
in der Nähe von Marseille am 11. Juli 1947 mit 4.515 Einwanderern, dar-unter
655 Kindern an Bord los. Sobald es das französische Hoheitsgebiet verlassen
hatte wurde es von britischen Zerstörern begleitet. Am 18. Juli wurde das
Schiff in der nähe der Küste von Palästina von einem der britischen
Zerstörer gerammt und geentert, während die Einwande-rer sich in einem
verzweifelten Versuch verteidigten. Zwei Immigranten und ein Mitglied der Mannschaft
wurden in dem Kampf getötet, weitere 30 verletzt. Das Schiff wurde in den
Hafen von Haifa geschleppt, wo die Immigranten auf englische Schiffe verladen
wurden, die Sie nach Südfrankreich zurückbringen sollten. In dem Südfranzösischen
Hafen Port-de-Bouc wei-gerten sich die jüdischen Immigranten von Bord der
Schiffe zu gehen. Auch die französische Regierung weigerte sich die Flüchtlinge
gewaltsam von Bord zu bringen. Daraufhin entschie-den die Briten die jüdischen
Einwanderer zurück nach Deutschland in die britische besetze Zone zu bringen.
Journalisten berichteten der ganzen Welt von der Herzlosigkeit der Englän-der,
woraufhin diese ihre Politik änderte und die illegalen Einwanderer nach
Zypern deportier-te. Über die Geschichte der Exodus, sowie die Geschichte
der Juden in Europa und die Staatsgründung Israels schrieb Leon Uris im
Jahre 1958 den sehr lesenswerten Bestseller "Exo-dus".
Die äußerst restriktive Einwanderungspolitik der britische Regierung
nach Kriegsende führte dazu, daß auch die Überlebenden des Holocaust
nicht nach Israel einreisen durften. Unter dem Druck des sich dadurch verschärfenden
Untergrundkampfes jüdischer Siedler und auf-grund der immer schwerer zu
tragenden Bürde einer Kolonialmacht gab Großbritannien zwei Jahre
nach Kriegsende das Palästinamandat an die UNO zurück in der Erwartung,
erneut als Verwalter einer UN-Treuhänderschaft ernannt zu werden. Eine
UN-Sonderkommission empfahl im Mai 1947 nach einer Reise durch Palästina
die Beendigung des Mandats, den Abzug der britischen Truppen und die Teilung
Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat. Während
die jüdische Führung dem Plan zustimmte, lehnten die Araber den Vorschlag
ab. Am 29. November 1947 stimmte die UN-Vollversammlung für die Teilung
Palästinas, angeführt von den beiden führenden Mächten USA
und Sowjetunion, die die Gründung eines jüdischen Staates unter dem
Eindruck des Zweiten Weltkrieges und des Holocaust unterstützten.
Balfour-Deklaration
Ministerium des Äußeren, 2.11.1917
Mein lieber Lord Rothschild!
Zu meiner großen Genugtuung übermittle ich Ihnen namens S. M. Regierung
die folgende Sympathie-Erklärung mit den jüdisch-zionistischen Bestrebungen,
die vom Kabinett geprüft und gebilligt worden ist:
Seiner Majestät Regierung betrachtet die Schaffung einer nationalen Heimstätte
in Palästina für das jüdische Volk mit Wohlwollen und wird die
größten Anstrengungen machen, um die Erreichung dieses Zieles zu
erleichtern, wobei klar verstanden werde, daß nichts getan wer-den soll,
was die bürgerlichen und religiösen Rechte bestehender nichtjüdischer
Gemein-schaften in Palästina oder die Rechte und die politische Stellung
der Juden in irgendeinem anderen Lande beeinträchtigen könnte.
Ich bitte Sie, diese Erklärung zur Kenntnis der zionistischen Föderation
zu bringen.
gez.: James Balfour
Britisches Weißbuch
17. Mai 1939 (Auszüge)
I/4: Die Regierung Seiner Majestät verkündet jetzt unzweideutig,
daß es nicht ihre Politik ist, aus Palästina einen jüdischen
Staat werden zu lassen.
I/10/1: Das Ziel der Regierung seiner Majestät ist die Errichtung eines
unabhängigen Palästina-Staates innerhalb von zehn Jahren, der Vertragsbeziehungen
mit dem Vereinigten Königreich in der Weise hat, daß die wirtschaftlichen
und strategischen Interessen beider Länder berück-sichtigt werden.
I/10/2: In dem unabhängigen Staat sollen Araber und Juden gemeinsam in
der Weise regie-ren, daß die wesentlichen Interessen jeder Gemeinschaft
gesichert sind.
II/13/1: Die jüdische Einwanderung wird in den nächsten fünf
Jahren so geregelt, daß die Zahl der jüdischen Einwanderer ungefähr
ein Drittel der Gesamtbevölkerung des Landes erreicht - vorausgesetzt die
wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit des Landes erlaubt dies [
] Vom
April dieses Jahres an werden innerhalb der nächsten fünf Jahre 75000
Einwanderer zugelassen.
II/13/3: Nach fünf Jahren wird keine jüdische Einwanderung mehr gestattet,
es sei denn, die Araber Palästinas wären hierzu bereit.
II/13/4: Die Regierung Seiner Majestät ist entschlossen, die illegale Einwanderung
zu verhin-dern.
III/16: Der Hochkommissar erhält Vollmachten, den Landverkauf zu verbieten
und zu steuern.
Die Geschichte des jüdischen Staates
Der Staat Israel wurde 1948 als Heimstatt für die weltweit verstreut lebenden
Juden gegrün-det. Er wurde insbesondere zum Fluchtpunkt für die Überlebenden
des Holocaust sowie für andere bedrängte und verfolgte Juden. Seit
seiner Staatsgründung war Israel durch seine arabischen Nachbarn bedroht.
Lange Zeit empfanden die Araber, die arabischen Funda-mentalisten tun dies noch
heute, den Staat Israel als "Pfahl im Fleische" der arabischen Natio-nen.
Die Ablehnung Israels resultiert aus der Überzeugung, die Araber müßten
letztlich die Folgen der nationalsozialistischen Verbrechen an den europäischen
Juden tragen, weil erst nach dem Holocaust auf dem von arabischer Seite beanspruchten
Gebiet Palästina den Juden die Errichtung eines eigenen Staates ermöglicht
wurde.
Ein ruhiger Staatsaufbau wurde durch ständige kriegerische Auseinandersetzungen
behin-dert. Fünf Kriege mit den arabischen Nachbarstaaten und den Palästinensern
(1948 Unab-hängigkeitskrieg, 1956 Suez-Krise, 1967 Sechs-Tage-Krieg, 1973
Jom-Kippur-Krieg, 1982 Liba-non-Feldzug) und der Kampf gegen die Intifada, den
Aufstand der Palästinenser von Dezem-ber 1987 bis 1993, wurden bis heute
geführt. Dazwischen lagen zwar Phasen relativer Ruhe, die aber immer wieder
durch Terroraktionen und daraus folgende israelische Vergeltungs-schläge
gegen die Stützpunkte arabisch-palästinensischer Kommandos unterbrochen
wur-den. Diese permanente Kriegssituation, die Angst vor Terror und Gewalt,
haben neben dem Holocaust das Bewußtsein der israelischen Gesellschaft
geprägt: Es entstand ein umfassendes Sicherheitstrauma. Diese ständige
Bedrohung hat in der Bevölkerung unterschwellig die Furcht vor einer erneuten
Vernichtung entstehen lassen. Dies gilt es zu bedenken, bei aller Kritik an
der manchmal starren und rigiden Vorgehens- und Verhaltensweise israelischer
Poli-tik.
Israels Kriege
1948 Unabhängigkeitskrieg
Am 15.5.1948, also ein Tag nach der Proklamation des Staates Israel, marschieren
Armeen aus fünf arabischen Staaten (Ägypten, Irak, Libanon, Syrien
und Transjordanien) in Israel ein und rufen zum jihad ("heiliger Krieg")
auf. Ihr Ziel ist es "die Juden ins Meer zu werfen" und inner-halb
von zwei Wochen in Tel Aviv einzumarschieren. Nach geringen Landverlusten von
Israel setzte die UN am 11.6.1948 einen Waffenstillstand durch, der bis zum
9.7. hielt. In dieser Zeit kann sich die israelische Armee erholen, während
die arabische Allianz langsam bröckelt.
Im weiteren Verlauf des Unabhängigkeitskrieges von 1948 festigte der junge
jüdische Staat gegen einen zahlenmäßig weit überlegenen
Gegner seine Position. Am Ende der Kampf-handlungen sah sich Israel im Besitz
eines Gebietes, das vor allem in Galiläa und z.T. auch im Zentrum des Landes
erheblich größer war als es der UN-Teilungsplan von 1947 vorsah.
Die meisten arabischen Bewohner waren aus diesen Gebieten geflohen. Dies geschah
teils infol-ge arabischer Aufrufe, teils unter direktem israelischem Druck,
teils in Panik angesichts des Terrors extremistischer jüdischer Organisationen.
Die Flüchtlinge wurden von den arabischen Nachbarländern nicht eingegliedert,
sondern dauerhaft in Lagern untergebracht. Aus diesen Unterkünften rekrutierten
später arabisch-palästinensische Guerillaverbände mit der Dachor-ganisation
PLO ihre Kampfeinheiten. Insgesamt verloren 725000 Araber im Unabhängigkeits-krieg
durch Flucht oder Vertreibung ihre bisherige Heimat. 360 ehemals arabische Dörfer
wur-den von der israelischen Armee gesprengt, die Ländereien gehen an neu
gegründete Kibbu-zim.
Der Waffenstillstand 1949 zwischen Israel und den arabischen Konfliktstaaten
hatte für Israel ungünstige Grenzen zur Folge. Jerusalem wurde in
einen West- und einen Ostsektor geteilt. Tel Aviv lag nur 18 Kilometer von den
ersten jordanischen Militärposten entfernt. Dem Waffenstill-stand folgte
kein Friedensschluß. Die arabischen Staaten lehnten direkte Verhandlungen
und die Anerkennung Israels ab. Statt dessen duldeten sie einen Kleinkrieg bewaffneter
Banden an Israels Grenzen. Die Gründung eines arabischen Staates in Palästina
wurde ebenfalls strikt abgelehnt, weil darin eine Anerkennung der Teilung Palästinas
(wie 1947 von der UN vorge-sehen) gelegen hätte. Das Westjordanland wurde
von Transjordanien annektiert, das Ge-samtgebiet hieß nun Jordanien. Der
Gazastreifen kam unter ägyptische Verwaltung, wurde aber nicht von Ägypten
annektiert.
1956 Suez-Krise
Die erste Aufbauphase Israels wurde von schweren Sicherheitsproblemen überschattet.
Der Waffenstillstand war mehr als brüchig; immer wieder fielen Terrorkommandos
aus arabischen Nachbarländern nach Israel ein.
Mit der Revolution ägyptischer Offiziere am 23. Juli 1952, die König
Farouk absetzten und nach kurzer Zeit Gamal Abdul Nasser an die Macht brachten,
verschärfte sich die Lage im Nahen Osten erheblich. 1955 näherte sich
das von Nasser regierte Ägypten dem Ostblock an, was noch im selben Jahr
zu einem umfangreichen Waffenlieferungsvertrag mit der Tschecho-slowakei führte.
Als die USA diesen Schritt 1956 mit der Verweigerung einer Anleihe für
die Errichtung des Assuan-Staudamms beantworteten, verstaatlichte Nasser den
Suezkanal. Die-ser Beschluß stellte eine direkte Herausforderung von Großbritannien
und Frankreich dar, den Hauptteilhabern der Suezkanal-Gesellschaft.
Ägypten verhängte neben der Blockade der Straße von Tiran am
Ausgang des Golfes von Akaba zum Roten Meer die Sperrung des Suezkanals für
israelische und nach Israel fahrende Schiffe. Zug um Zug wurde die Halbinsel
Sinai in ein ägyptisches Militärlager verwandelt. Ein Dreierbündnis
zwischen Ägypten, Syrien und Jordanien verstärkte im Oktober 1956
die unmit-telbare Bedrohung Israels. Am 29. Oktober 1956 antwortete Israel nach
geheimen Abspra-chen mit Großbritannien und Frankreich, die gleichzeitig
Truppen am Suezkanal landeten, mit dem präventiven Einmarsch in den Sinai
und den Gazastreifen. In einem acht Tage dauern-den Feldzug eroberten die israelischen
Streitkräfte unter Moshe Dayan den Gazastreifen und die Halbinsel Sinai,
dabei überschritten sie bis zu 16 km den Suezkanal. Ein gleichzeitiges
Ulti-matum des amerikanischen Präsidenten Eisenhower und des sowjetischen
Ministerpräsiden-ten Bulganin zwang Israel, sich in mehreren Etappen bis
März 1957 aus den eroberten Gebie-ten zurückzuziehen. Der Beschluß,
UN-Friedenstruppen entlang der ägyptisch-israelischen Grenze zu stationieren,
und die Zusicherung Kairos, die freie Durchfahrt durch den Golf von Akaba zu
garantieren, erleichterten Israel diese Entscheidung.
In seinem zweiten Jahrzehnt nach Staatsgründung bemühte sich der
jüdische Staat um den Ausbau seiner diplomatischen Beziehungen zum Ausland.
Enge Beziehungen bestanden in dieser Zeit vor allem zu den USA, den Ländern
des britischen Commonwealth, den meisten westeuropäischen sowie fast allen
lateinamerikanischen und afrikanischen Staaten. Im Jahr 1965 nahm Israel volle
diplomatische Beziehungen zur Bundesrepublik Deutschland auf. Dieser Schritt
war in Israel angesichts der Leiden der Juden unter dem Naziregime lange hinausge-zögert
worden und kam erst nach kontroverser, erbittert geführter öffentlicher
Diskussion zu-stande.
Doch die Aussicht auf ein Jahrzehnt relativer Ruhe wurde bald verdunkelt durch
erneut dro-hende Kriegsgefahr. Von Ägypten und Jordanien aus infiltrierten
arabische Terrorkommandos Israel. Von den syrischen Golanhöhen feuerte
die Artillerie auf die landwirtschaftlichen Sied-lungen in Nordgaliläa,
und eine massive Aufrüstung der arabischen Nachbarstaaten beunru-higte
Israels Militärstrategen. Auf die Terroranschläge palästinensischer
Kommandos antwor-tete die israelische Armee mit zum Teil weit ins feindliche
Territorium (Gazastreifen, Westjordanland) hineingetragenen Vergeltungsschlägen.
Im Mai 1967 zog Ägypten massive Truppenkontingente auf dem Sinai zusammen.
Der ägypti-sche Präsident Nasser, nun der unbestrittene Führer
der arabischen Welt gegenüber West und Ost, forderte vom damaligen UN-Generalsekretär
Sithu U Thant den Abzug der die Grenze zu Israel überwachenden UN-Truppen,
sperrte erneut die für Israels Wirtschaft lebenswichtige Zufahrt zum Hafen
von Eilat und zog nach Bündnissen mit Syrien und Jordanien Truppen an Israels
Grenzen zusammen. Israel war von angriffsbereiten arabischen Armeen eingekreist.
Diplomatische Bemühungen zur Beilegung der Krise mißlangen.
1967 Sechs-Tage-Krieg
Am 5. Juni 1967 führte Israel einen Präventivschlag gegen Ägypten
durch. Israels Versuche, noch am selben Tag König Hussein zu überzeugen,
sich nicht dem Krieg anzuschließen, schei-terten. Erst am fünften
Tag griff Israel das syrische Militär auf den Golanhöhen an. Im soge-nannten
Sechs-Tage-Krieg besetzten israelische Truppen die ganze Sinaihalbinsel, den
Gaza-streifen, das Westjordanland, Ost-Jerusalem und die syrischen Golanhöhen.
Die Folgen dieses Krieges veränderten die geopolitische Landschaft des
Nahen Ostens schlagartig. Die Jahre nach der Staatsgründung hatten Israel
in einer geographisch sehr ver-wundbaren Lage gesehen. Das änderte sich
erst durch die Eroberungen im Sechs-Tage-Krieg. Denn dieser dritte Nahost-Krieg
brachte für Israel jene strategische Tiefe des Raumes, die das Risiko eines
bewaffneten Angriffs seiner feindlichen arabischen Nachbarn erheblich vergrö-ßerte.
Der Sechs-Tage-Krieg verschärfte das Palästinenser-Problem für
Israel. Denn Hundert-tausende Palästinenser kamen im Westjordanland, in
Jerusalem und im Gazastreifen nun un-ter israelische Besatzung und Militärverwaltung.
Das Palästinenserproblem, wie es uns heute begegnet, war entstanden, und
seither entwickelte sich die Frage nach einer Lösung dieses Komplexes immer
mehr zur eigentlichen Nahostproblematik.
Die größte diplomatische Herausforderung für Israel war nach
dem durch die UN vermittelten Waffenstillstand die Umsetzung militärischer
Erfolge und Landgewinne in einen dauerhaften Frieden auf der Basis der UN-Sicherheitsresolution
242. Diese Entschließung forderte unter an-derem das Recht aller Staaten
der Region, "innerhalb sicherer und anerkannter Grenzen in Frieden und
Freiheit von Drohung und Gewalt zu leben".
Israel akzeptierte die Resolution zwar, bestand jedoch aus Sicherheitsgründen
auf Grenzkor-rekturen. Dagegen stand die schroffe Ablehnung durch die Gipfelkonferenz
der arabischen Staaten im August 1967 in der sudanesischen Hauptstadt Khartum.
Dort wurde die künftige Politik gegenüber Israel formuliert: "Kein
Frieden mit Israel, keine Verhandlungen mit Israel, keine Anerkennung Israels."
Diesen Worten folgten schon bald Taten. Im September 1968 be-gann Ägypten
einen Zermürbungskrieg am Suezkanal gegen die dort stationierten israeli-schen
Truppen. Sporadische Militäraktionen eskalierten nach und nach zu heftigen
Gefech-ten mit hohen Verlusten auf beiden Seiten. Im August 1970 endete die
Konfrontation, als Israel und Ägypten einem erneuten Waffenstillstand am
Suezkanal zustimmten, den der US-Außenminister William Rogers vermittelte.
Krieg in Jordanien
Im September 1970 stieg die Spannung im Nahen Osten mit der Entführung
von fünf internati-onalen Passagierflugzeugen durch zu der PLO gehörende
Terroristengruppen. Ein amerikani-scher Jumbo-Jet wurde auf dem Flughafen von
Kairo ohne Passagiere in die Luft gesprengt; vier weitere Flugzeuge wurden in
Jordanien zur Landung gezwungen und zerstört. Nachdem Fatah-Einheiten der
PLO schon über zwei Jahre die jordanischen Dörfer im Jordantal be-herrschten,
von wo sie fast jeden Tag Israel angriffen, bedeuteten diese Entführungsaktionen
der PLO eine zusätzliche Herausforderung der Autorität des Königs
Hussein. Auf seinenBefehl kämpfte das jordanische Militär in den folgenden
Tagen erbarmungslos die Fatah-Einheiten im ganzen Land nieder. Über hundert
Fatahkämpfer zogen es vor, über den seichten Jor-danfluß zu
fliehen und sich dem israelischen Militär zu ergeben.
Ein Versuch Syriens, Arafat zu Hilfe zu kommen, scheiterte in einer Panzerschlacht
bei Ramla im Norden Jordaniens. Eine von Nasser einberufene Versöhnungskonferenz
der Arabischen Liga in Kairo beschloß, daß Arafat mit seinen mehreren
tausend Anhängern Jordanien verlas-sen mußte und sich im Libanon
niederlassen sollte.
Während der Konferenz erlag Nasser einem Herzanfall, und zur allgemeinen
Überraschung wurde der wenig bekannte Anwar al Sadat sein Nachfolger. Israel
war nicht sicher, ob Sadat den erneuten Waffenstillstand am Suezkanal respektieren
würde, der für drei Monate verein-bart worden war. Um die Suezkanalfront
auf die Dauer zu sichern, schlug der damalige Ver-teidigungsminister Mosche
Dayan vor, daß Israel sich zu einem einseitigen Rückzug auf 10 bis
15 km vor der befestigten Bar-Lev-Linie am Suezkanal bereit erklären sollte.
Als Gegenleistung sollte Ägypten den Suezkanal von Schiffswracks räumen
und erneut für die internationale Schiffahrt öffnen. Gleichzeitig
sollten auch die im Zermürbungskrieg zerstörten Städte Port Said,
Ismailiya und Suez wieder aufgebaut werden.
Washington vermittelte diesen informellen Vorschlag Dayans, der nicht die volle
Zustimmung des Kabinetts der Ministerpräsidentin Golda Meir hatte. Nachdem
Präsident Sadat im Februar 1971 dieselbe Idee im Parlament in Kairo als
einen ägyptischen Vorschlag bekannt machte, versuchten US-Außenminister
Rogers und sein Nahost-Experte Joseph Sisco in der ersten direk-ten "Pendeldiplomatie"
zwischen Kairo und Jerusalem im Mai 1971 dieses Konzept zu verwirkli-chen. Doch
die Mehrheit der Golda Meir-Regierung zeigte sich nicht bereit, Dayans Vor-schlag
zu folgen. Die Verwirklichung dieser Idee hätte vielleicht den Jom-Kippur-Krieg
1973 vermeiden können.
1973 Jom-Kippur-Krieg
Am 6. Oktober 1973, am Jom Kippur (Versöhnungstag, höchster Feiertag
des jüdischen Jah-res), starteten Ägypten am Suezkanal und Syrien
auf den Golanhöhen einen koordinierten Überraschungsangriff gegen
Israel. Der Jom-Kippur-Krieg dauerte drei Wochen. Trotz der An-fangserfolge
der arabischen Armeen konnten die israelischen Streitkräfte in erbitterten
Kämp-fen die Oberhand gewinnen und über den Suezkanal nach Ägypten
und im Norden bis 32 Kilometer vor Damaskus vorstoßen.
Durch Vermittlung des damaligen US-Außenministers Henry Kissinger schlossen
Israel und Ä-gypten 1974 und 1975 zwei Truppenentflechtungs-Abkommen, die
einenTeilrückzug Israels von der Sinaihalbinsel vorsahen. Kissinger vermittelte
auch ein syrisch-israelisches Abkommen über eine Truppenentflechtung an
der Golanfront. Mit dieser politischen Initiative der USA war zugleich eine
Stärkung ihrer Position in der Nahostregion - auch im arabischen Lager
- ver-bunden. Kissinger gelang es, durch seine Vermittlung, den immer noch großen
Einfluß der Sowjetunion im arabischen Raum zurückzudrängen.
Der Oktoberkrieg von 1973 dokumentierte, besonders in der zu Beginn der Kämpfe
für Israel kritischen Situation, erneut den Selbstbehauptungswillen des
jüdischen Staates, zeigte ande-rerseits Israel aber auch die Grenzen seiner
militärischen Macht auf. Der Ausgang des vierten Nahost-Krieges ebnete
den Weg für eine Neuorientierung nahöstlicher Politik. Dies galt be-sonders
für Israels Schutzmacht, die USA, die einerseits Israel zu einer flexibleren
Haltung ge-genüber den Arabern drängten, andererseits aber auch gemäßigte
arabische Staaten wie Ägypten und Jordanien von der Notwendigkeit einer
Anerkennung Israels überzeugten.
1982 Libanon-Feldzug
Im Norden des Landes war Israel seit 1970 zunehmenden Terroraktionen durch
die PLO ausge-setzt, die sich im Südlibanon eine Operationsbasis geschaffen
hatte. Bereits 1978 eroberte Israel im Südlibanon eine sogenannte "Sicherheitszone",
die den Nordteil Israels vor Terroran-griffen verhältnismäßig
sicher machte. Ein von den USA vermitteltes, informelles Einverständnis
zwischen Israel und der PLO verminderte zudem noch die Angriffe palästinensischer
Kom-mandos. Allerdings versuchte die PLO jetzt, größere Militäreinheiten
im Südlibanon zu statio-nieren.Dieses Vorgehen und den Anschlag einer radikalen
PLO-Gruppe auf den israelischen Botschafter in London nahm Israels damaliger
Verteidigungsminister Ariel Scharon zum Anlaß für einen großangelegten
militärischen Vorstoß in den Libanon am 6. Juni 1982.
Dabei stießen israelische Truppen bis nach Beirut vor. Sie zerschlugen
das Potential und die militärische Infrastruktur der PLO im Libanon und
zwangen die palästinensischen Kämpfer zum Abzug aus Beirut. Aber erstmals
in der Geschichte der Nahostkriege fand eine Militäraktion der israelischen
Armee nicht den ungeteilten Beifall der eigenen Bevölkerung. Im Gegenteil,
Hunderttausende gingen in Tel Aviv auf die Straße, protestierten und forderten
den Rückzug aus dem Libanon. Damit gaben sie der "Frieden-Jetzt-Bewegung",
die nach Sadats Besuch in Jerusalem im Frühjahr 1978 gegründet worden
war, neue Impulse.
Je länger die Stationierung der Truppen im Libanon dauerte, desto größer
wurden die tägli-chen Verluste der israelischen Armee. Die Soldaten gerieten
immer wieder in Hinterhalte, ins-besondere der schiitischen Hisbollah-Miliz
(Hisbollah bedeutet Partei Gottes). Zunehmend ver-stärkte sich auch im
Innern Israels die Kritik.
Nach Bildung der Großen Koalition von Likud und Arbeitspartei im September
1984 unter Pre-mierminister Schimon Peres zog sich Israels Armee im Laufe des
Jahres 1985 aus dem größten Teil des Libanon zurück.Sie behielt
aber die Kontrolle über einen schmalen Streifen im Südliba-non.Diese
sogenannte "Sicherheitszone" sollte als Puffer gegenAngriffe terroristischer
Kom-mandos auf den Norden Israels dienen. In der "Sicherheitszone"
wurde die israelische Armee von der SLA (Südlibanesischen Armee) unterstützt.Dabei
handelt es sich um eine 1978 vom Zentralkommando der libanesischen Streitkräfte
in Beirut abgespaltene Miliztruppe, deren Kader aus Christen, libanesischen
Sunniten und Schiiten besteht. Die SLA wird von Israel aus-gerüstet, finanziert
und trainiert. Grundsätzlich bewährte sich dieses Sicherheitskonzept.
Den-noch kam es auch nach Etablierung der Sicherheitszone immer wieder zu Raketenbeschuß
auf israelische Städte und Dörfer im Norden des Landes durch die pro-iranische
schiitische Terrororganisation Hisbollah.
Hisbollah
Die Hisbollah ist 1982 mit massiver Hilfe der iranischen Regierung in der Absicht
aufgebaut worden, im Libanon einen islamischen Staat nach dem Vorbild des Iran
zu errichten. Dane-ben hat sie sich zum Ziel gesetzt, den Kampf gegen den jüdischen
Staat vom Süden des Li-banon aus zu forcieren. Nach der Vertreibung der
PLO-Kämpfer aus dem Libanon im Sommer 1982 durch die israelische Armee
füllte die Hisbollah dieses Vakuum und profilierte sich mit iranischer,
aber auch syrischer Hilfe zum schärfsten Widersacher Israels an dessen
Nordgrenze.
Solange nicht eine Friedenslösung auch mit dem instabilen libanesischen
Regime erreicht ist, bleibt die Situation im israelisch-libanesischen Grenzgebiet
gespannt. Eine solche Friedensre-gelung ist aber ohne die Zustimmung Syriens
nicht zu erreichen, denn Damaskus kontrolliert den Libanon politisch und hat
zudem 40000 Soldaten in diesem Land stationiert. Nur das Re-gime in Damaskus
kann die Terrorüberfälle radikaler schiitischer und palästinensischer
Kom-mandos gegen Israel von libanesischem Boden aus unterbinden. Dies würde
sofort gesche-hen, wenn zwischen Israel und Syrien eine Einigung über die
von Israel besetzten Golan-Höhen erzielt würde. Syrien als Schutzmacht
der Hisbollah im Libanon und als "Gastgeber" radikaler Palästinensergruppen
in Damaskus könnte nach einem Friedensschluß mit Israel sei-ne Rolle
als Protektor von Terrorgruppen und Friedensstörern nicht mehr aufrechterhalten.
Golfkrieg
In den durch die Besetzung Kuwaits durch irakische Truppen (August 1990 bis
Februar 1991) ausgelösten zweiten Golfkrieg ließ sich Israel nicht
hineinziehen. Diese Haltung verriet politi-sches Augenmaß. Die Zurückhaltung
der israelischen Regierung unter dem damaligen Minis-terpräsidenten Jitzchak
Schamir hing damit zusammen, daß das Bündnis westlicher Staaten mit
arabischen Streitkräften (Syrien, Ägypten, Saudi-Arabien) gegen Saddam
Hussein nicht gefährdet werden sollte. Außerdem übten die Vereinigten
Staaten massiven Druck auf Israel aus.
Die im Verlauf des Krieges vom Irak aus abgeschossenen Scud-Raketen auf Israel,
besonders auf Tel Aviv und Umgebung, lösten trotz ihrer geringen militärischen
Auswirkung bei vielen Menschen in Israel - vor allem bei Überlebenden des
Holocaust - traumatische Erinnerungen aus, da Saddam Hussein vorher bereits
mehrfach Israel mit Giftgasangriffen gedroht hatte. Zu diesem psychischen Schock
kam, daß zum erstenmal bei einer kriegerischen Auseinanderset-zung sich
die Front mitten in Israel befand.
Auch wenn die Scud-Raketen nicht mit Giftgas bestückt waren, kam es zu
einer erheblichen Verstimmung in Israel über Deutschland, da deutsche Firmen
an der Aufrüstung des Irak und an der Giftgasentwicklung beteiligt gewesen
waren. Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher sah sich deshalb noch
während des Krieges zu einem Besuch Israels veranlaßt, und Bundeskanzler
Helmut Kohl gab vor dem Bundestag am 30. Januar 1991 eine Solidaritätserklä-rung
für Israel ab.
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